Burgenland Extrem Tour 2019

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Die 24h Burgenland Extrem Tour ist eine Veranstaltung, die ihrem Namen alle Ehre macht, geht es schließlich 120 km rund um den Neusiedlersee. Aber das alleine ist nicht extrem genug. Nein, der Lauf muss auch noch im Winter stattfinden. Und auch heuer fanden sich in einer zu dieser Jahreszeit normalerweise eher verschlafenen Region tausende outdoorverrückte Menschen ein. Insgesamt gingen am 25. Jänner rund 5.100 Leute an den Start, wobei der Großteil die kürzeren Distanzen von 30km (Kinder und Senioren), 60km oder 80km in Angriff nahmen.

Mein Ziel für die rund 120km war es, unter 20 Stunden zu bleiben. Ob und wie es mir gelungen ist, erfährt ihr in den nächsten Zeilen!

Ich reiste schon am Tag vor dem Lauf mit meiner Mama, die mich bei diesem Abenteuer unterstütze, nach Oggau. Bei der Startnummernausgabe im Gemeindeamt erblickte ich schon ein paar bekannte Läufergesichter und die Anspannung, aber auch die Vorfreude, wurde immer größer. Nach dem letzten Krafttanken im Sebastiankeller mit einer extra großen Portion Spaghetti und Kaiserschmarren versuchte ich früh ins Bett zu gehen. Der Wecker war auf 2:50 Uhr gestellt. Doch vor 23:00 Uhr machte ich kein Auge zu und drehte mich nur nervös von einer Seite auf die andere. Etwas verschlafen genossen wir mitten in der Nacht das Frühstück in unserer Pension. Nur noch schnell die letzten Sachen in den Laufrucksack bzw. ins Auto packen und los ging es. Kurz vor halb fünf war ich beim Start. Nach zwei, drei Fotos reihte ich mich ein und schon ertönte die Sirene.

Die ersten Kilometer waren sehr angenehm zu laufen. Es hatte knapp unter 0°C, aber es war windstill. In einem Lichtermeer von Stirnlampen startete ich mit der geplanten Pace von rund 6:00 min/km. Von Oggau ging es über leicht angezuckerte Feld- und Radwege nach Rust, Mörbisch und weiter nach Ungarn. Immer wieder spürte ich ein leichtes Zwicken in der rechten Wade. Schon seit Wochen plagten mich diese Beschwerden und ich begann zu zweifeln, dass ich das über so eine gigantische Distanz aushalten kann, zumal solche Schmerzen normalerweise mit der (Lauf-)Zeit nicht weniger werden. Doch ich versuchte diese Gedanken beiseite zu schieben und mich aufs Laufen zu konzentrieren. Nach ein paar hügeligen Kilometern erreichte ich bei Einbruch der Morgendämmerung die erste Labestation in Balf. Rund 25km waren absolviert und ich fühlte mich schon jetzt etwas k.o. Nach einer kleinen Stärkung mit Müsliriegel und Iso ging es weiter. Die leicht verschneiten Wege machten das Laufen meistens sehr angenehm, nur bei der einen oder anderen glatten Stelle musste man gut aufpassen. Sobald es hell wurde gab ich meine Stirnlampe und die Warnweste ins Begleitauto. Wie in Trance versuchte ich Kilometer für Kilometer abzuspulen, ohne großartig viel nachzudenken. Hin und wieder machte ich einen kurzen Fotostopp und wechselte ein paar Worte mit anderen Läuferinnen und Läufern. Man muss an dieser Stelle sagen, dass die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht laufen, sondern „nur“ gehen. Nachdem es keine Zeitnehmung gibt, soll es auch kein Wettkampf sein, sondern vielmehr ein Abenteuer in der winterlichen Landschaft rund um den Neusiedlersee.

Die Zeit verging recht rasch und ich konnte immer noch eine Pace von knapp über 6:00 min/km laufen. Immer wieder machte ich ein paar Schluck Iso aus meiner Thermodose (!), die ich in meiner Hand hielt. Je weiter ich kam, desto besser fühlte ich mich. Und zu meiner Verwunderung waren auf einmal auch meine Schmerzen in der Wade weg! So erreichte ich gut gelaunt die Marathonmarke. Die Freude wehrte allerdings nur kurz. Denn kaum bogen wir Richtung Norden ab und verließen die windschützenden Wälder in Ungarn, peitschte uns ein eisiger Gegenwind ins Gesicht. Vor allem die heftigen Böen machten es richtig unangenehm und es fühlte sich teilweise an, als würde man gegen eine Wand laufen. Viele Läufer wechselten schon auf ein schnelles Gehen. Ich hingegen war dadurch zusätzlich motiviert und ließ kaum an Tempo nach. Kurz vor Apetlon machte mir dann plötzlich ein komisches Gefühl im Magen zu schaffen. Wahrscheinlich habe ich den ungarischen Tee nicht ganz vertragen. Schon etwas entkräftet erreichte ich nach nur knapp über 6 Stunden die Hälfte des Rennens und machte das erste Mal eine etwas längere Pause. Mit so einem schnellen Rennverlauf habe ich gar nicht gerechnet. In einem Gasthaus, wo die offizielle Labstation war, stärkte ich mich mit ein paar Löffeln von meinen selbst gemachten Schinkenfleckerl und schnaufte ein paar Minuten durch. Das Aufstehen und Weiterlaufen war dann schon etwas mühsam. Knie und Hüfte waren mittlerweile spürbar beleidigt.

Sobald ich wieder in meinem Trott drinnen war, ging das Laufen ohne Probleme. Langsam begann ich mir auszurechnen, welche Zielzeit ich eventuell erreichen könnte. Mein unausgesprochenes Ziel war ja eigentlich unter 15 Stunden. Aber davon habe ich fast nur träumen können, sehr realistisch ist es mir vor dem Rennen nicht vorgekommen. Die ersten Kilometer nach der Pause bis Illmitz sind schnell und gut vergangen. Danach ging es allerdings durch die „Hölle“ nach Podersdorf. Und nomen est omen! Es war die Hölle für uns Läufer. Wir waren dort dem Gegenwind komplett ausgesetzt und an ein rasches Vorwärtskommen war nicht zu denken. Vor allem kostete es EXTREM viel Kraft. Ich war heilfroh, als ich endlich Podersdorf erreichte und meine nächste Pause machte. Diesmal setzte ich mich nur kurz ins Auto und genoss meine Schinkenfleckerl mit Cola.

Ab jetzt würde es zum Kampf werden. Dachte ich mir zumindest nach den ersten Laufschritten, die sich nicht mehr wirklich rund anfühlten. Doch kaum war ich wieder in Bewegung, ging es mehr oder weniger locker und flüssig weiter. Ich hatte nirgends merkliche Schmerzen und die Beine wirkten noch voller Power. Somit konnte ich immer noch dasselbe Tempo wie zu Beginn laufen. Auf der Strecke waren mittlerweile viele Geher unterwegs, die in Ungarn oder Apetlon gestartet sind. Somit musste ich immer wieder abseits des Weges bzw. in  Schlangenlinien laufen. Der VCM lässt grüßen! Nachdem es bei dieser Veranstaltung aber nicht um jede Minute und Sekunde geht, wie bei einem Marathon, machte mir das nichts aus. Im Gegenteil. Manche Leute feuerten mich an und motivierten mich zusätzlich.

Immer wieder blieb meine Mama mit dem Auto am Streckenrand stehen und ich stärkte mich mit ein paar Schluck Tee, Apfelsaft oder Cola und ein paar Bissen von einem Kipferl. In Neusiedl am See machte ich meine dritte und letzte längere Pause. Auch hier machte ich es mir im Auto gemütlich und nahm ein paar Löffel Schinkenfleckerl zu mir. Drei Viertel der Strecke waren nach rund 10 Stunden absolviert, noch ungefähr 30 km lagen vor mir. Ich konnte überhaupt nicht glauben, wie schnell ich unterwegs war. Mittlerweile schien das Ziel, unter 15 Stunden zu finishen, als greifbar nahe. Bei so einer langen Distanz kann aber schnell etwas Unvorhersehbares passieren. Die ersten Schritte nach der Pause waren schon eine richtige Qual. Ein Schritt links, ein Schritt rechts, und los geht’s. Langsam begann ich wieder zu laufen und war dann doch wieder rasch im Flow.

In den letzten Ortschaften machte ich immer nur sehr kurze Trinkpausen beim Auto und nahm das eine oder andere Gel zu mir. Das Laufen ging noch einigermaßen gut, obwohl ich schon da und dort ein paar Wehwehchen spürte. Das Tempo konnte ich jedoch immer noch gut halten. Mittlerweile blickte ich nach jedem Kilometer auf die Uhr und konnte es nicht glauben, wie weit ich schon gekommen war. 14 km vor dem Ziel holte ich meinen Arbeitskollegen ein, der gemeinsam mit mir gestartet, aber viel schneller losgelaufen war. Er hatte schon merklich Probleme und musste die letzten Kilometer gehen. Ich versuchte ihn nochmal zu motivieren und so liefen wir gemeinsam weiter. Kurz danach wurde es bereits dunkel und wir packten wieder unsere Stirnlampen aus. Zu zweit konnten wir uns gegenseitig pushen und wurden Richtung Oggau nochmal merklich schneller. Mit unseren letzten Kräften erreichten wir schließlich das Ziel nach 13 Stunden 8 Minuten!

EXTREM zufrieden, aber auch EXTREM erschöpft machten wir noch ein paar Zielfotos. Keinen Meter mehr wollte und konnte ich dann noch  laufen. Insgesamt waren es rund 112km mit einer reinen Laufzeit von 11 Stunden 30 Minuten.